Mittelmeer Teil 1

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Olympische Hornissen,

oder wie ich zum Regengott wurde

Teil 1

 

Ich hatte mir detaillierte Karten von allen Ländern des Balkans und Griechenlands besorgt und dort zahlreiche Orte markiert, die ich gerne besichtigen wollte. Eine vordefinierte Route hatte ich nicht, dafür aber sechs Wochen Zeit. Da ich in Berlin wohne vermisste ich die Berge und die damit verbundenen Kurven. Jeden Abend setzte ich mich hin, schaute auf die Karten und überlegte wo ich am nächsten Tag hinfahren würde. Eine Freundin dokumentierte in Olympia mit ihrem Team ein Gebäude im Heiligen Bezirk und hatte mich eingeladen doch ein paar Tage dort Station zu machen. Einen genauen Termin hatten wir nicht vereinbart und so konnte ich mich einfach von Tag zu Tag treiben lassen. Drei Jahre zuvor bin ich mit dem Motorrad quer über den Balkan bis in die Südosttürkei gefahren. Ich hatte diesmal wesentlich mehr Zeit und war besser vorbereitet.

 

Die erste Hälfte der ersten Etappe absolvierte ich auf Autobahnen. Ich wollte Deutschland schnell verlassen und zunächst einmal Strecke machen. Kurz vor der Grenze verließ ich die Autobahn und stürzte mich auf kleine Straßen. Nachdem ich gelernt hatte, dass Straßenreifen auf einer längeren Tour nur bedingt geeignet waren, hatte ich mich nach längerer Recherche für Heidenau Scout entschieden. Außerdem befand sich in meinem Gepäck als Neuerung eine Hängematte. Zunächst musste ich mich jedoch erst wieder an das Fahren mit Koffern und Gepäck gewöhnen.

 

Bereits am zweiten Tag hatte fühlte ich mich mit dem schiffigen Verhalten meiner V-Strom wieder wohl und genoss die tschechische Landschaft. Die Märchenfilme meiner Kindheit wurden hier gedreht und so kam es, dass ich mich wie in einem Märchen fühlte. Mein erstes Zwischenziel war Çesky Krumlov. Eine wunderschöne Stadt, die jedoch, verständlicherweise, völlig überlaufen war. Nach kurzer Besichtigung ging es weiter Richtung Österreich. Auf einem Campingplatz am Puttersee traf ich auf zwei Briten in einem 1l Polo. Es waren Teilnehmer einer Rally von Großbritannien in die Mongolei. Ich hatte Bedenken was die Wahl ihres Fahrzeuges betraf, aber sie sind, wie ich im Nachhinein erfuhr, wohlbehalten in Ulan Bator angekommen. Meinen Respekt hatten sie.

 

Der erste Alpenpass auf meiner Route war der Sölkpass. Eine Empfehlung eines Münchener Motorradpolizisten, der seit Jahren verschiedenste Gebiete der Alpen mit einer alten BMW erkundete. Um für die kleinen, in meinen Karten grau markierten Wege auf dem Balkan zu üben, hatte ich mir im Anschluss an den asphaltierten Sölkpass die Straniger Alm ausgesucht. Wie schwierig kann ein Pass zwischen Österreich und Italien schon sein, dachte ich mir. Eine grobe Fehleinschätzung, wie sich zeigen sollte. Der Weg zur Alm war zunächst von einer Baustelle versperrt und die Umleitung führte mich auf eine Wiese. Die Bauarbeiter konnten zunächst nicht fassen, dass ich voll beladen auf die Alm hochwollte, ließen mich aber dann doch durch ihre Baustelle fahren.

 

Recht bald schon endete der Asphalt und andere Verkehrsteilnehmer gab es nicht mehr. Es wurde immer steiler und Zweifel kamen in mir auf, ob meine Streckenwahl weise gewesen war. Aber Motorradfahren an sich ist schon nicht das weiseste was man tun kann, also weiter hinauf. Wenden war eh keine Option. Meine Fahrweise wurde von Kurve zu Kurve sicherer und so erreichte ich die schweißgebadet, aber glücklich, Almhütte. Es gab das wohl beste Käsebrot meines Lebens, dick belegt mit verschiedensten dort oben hergestellten Käsesorten und eine große Apfelschorle. Zwei Regensburger GS Fahrer amüsierten sich köstlich über meine Beladung und machten mir Mut für die Abfahrt nach Italien, die noch wesentlich steiler sei als die Auffahrt auf österreichischer Seite. Sie sollten Recht behalten. Obwohl es schwer war sich an der Aussicht satt zu sehen, trennte ich mich von ihr. Die steilsten Passagen waren gepflastert, dennoch fuhr ich weite Teile im Schritttempo. Zum Glück war es trocken und so kam ich heil und sturzfrei unten an.

 

Nach einem Besuch in einem italienischen Supermarkt machte ich mich auch schon direkt auf in Richtung Slowenien. Eine Wand aus Fels schien meinen Weg zu versperren. Der nächste Pass führte mitten durch eine Burg und hinunter ins Soca Tal. Ich folgte dem Tal eine Weile und schwenkte dann Richtung Osten. Nachdem ich 2012 die Küstenroute Kroatiens genommen hatte, wollte ich diesmal durchs Landesinnere fahren. Auf Schotterpisten schlug ich mich bis Gorenji Radenci, direkt an der Grenze zu Kroatien, durch. Auf dem Weg erwischte mich das Erste Unwetter. Aber von ein wenig Regen ließ ich mich nicht aufhalten. Unterwegs traf ich viele Motorradreisenden, die Unterschlupf an Tankstellen oder Brücken suchten. Mein Zugeständnis an den Regen war eine kleine Hütte in die ich mich für die Nacht einmietete, da die Motivation das Zelt im Regen aufzustellen nur begrenzt vorhanden war. Als der Regen nachließ luden mich meine Nachbarn, Vater und Sohn, zum Essen und Trinken ein. Ich lernte an dem Abend einiges über slowenische Sondereinheiten der Polizei, schissige Polizeihunde und Fußballspiele. Der Zufall bereicherte unser Gelage noch mit einem Österreicher, der einmal eine Saison auf der Straniger Alm als Kuhhirt arbeitete und Unverständnis darüber zeigte den Weg freiwillig zu fahren.

 

Nachdem ich am Vortag Kroatien schon auf der anderen Seite eines Wildbachs gesehen hatte, begab ich mich zur Grenze. Mein Ziel war Bosnien und Herzegowina und so querte ich Kroatien zügig an seiner schmalsten Stelle. Die Fahrweise der Einheimischen ist sehr, sagen wir eigenwillig. Je weiter ich mich von den Hauptstraßen entfernte, desto weniger wurden es aber. In einer der schönsten Schluchten die man sich vorstellen kann, traf mich das nächste Gewitter. Als ich Travnik erreichte, regnete es nicht mehr. Von der Burg hat man einen Ausblick auf die vom Bürgerkrieg gezeichnete Stadt. Der Souvenirhändler berichtete mir seine Version der aktuellen Situation, was das Zusammenleben verschiedener Kulturen dort anbelangte. Er war kein Optimist und schien den nächsten Konflikt fast herbei zu sehnen. Zu meiner Erleichterung lernte ich noch am selben Abend, dass auch andere Sichtweisen der Situation existierten.

Kunst in Bosnien-Herzegowina.

Bergidylle in Bosnien.

Auf der Suche nach einem Hotel entkam ich noch knapp einem Überfall. Zum Glück erkannte ich die Situation rechtzeitig und trat einen taktischen Rückzug an. Endlich in einem Motel angelangt, dass ich zunächst für ein Bordell hielt, bekam ich ein winziges Zimmer, großartiges Essen und ein aufmunterndes Gespräch mit dem Besitzer. Er war glücklich, dass Europa die Konfliktpartien zum Frieden zwang und erklärte mir wie langsam wieder Vertrauen wächst, wo noch vor wenigen Jahren Hass war. Der Krieg ist noch an vielen Häusern sichtbar. Einige sind von Einschusslöchern übersäht, bei anderen wurden die Löcher provisorisch geflickt. Dass der Krieg immer noch prägend für die Gesellschaft ist, verdeutlichten auch die zahlreichen Graffitis ‚Never forget Srebrenica!‘. Eines meiner noch vor mir liegenden Ziele auf dieser Reise.

 

Zunächst aber wollte ich die angeblichen bosnischen Pyramiden besichtigen. Vor Jahren war ich auf einer Ausgrabung einmal dem ‚Entdecker‘ dieser Pyramiden begegnet. Bei den ‚Pyramiden‘ handelt es sich nicht wirklich um kulturelle, sondern um geologische Phänomene. Dies ist wissenschaftlich sehr eindeutig belegt, sie werden aber, vor allem im esoterischen Bereich, relativ erfolgreich vermarktet. Da mich schon mal in der Nähe war beschloss ich, dass ein kurzer Abstecher sicher nicht schaden könne. Der Weg hinauf auf die ‚Sonnenpyramide‘ war auf jeden Fall schön. Eine schmale, steile Straße, die, oben angekommen, mit einer grandiosen Aussicht belohnte. Was ich sah waren auf jeden Fall drei wirklich schöne Berge. Mit viel Phantasie, vielleicht unterstützenden halluzinogenen Drogen und aus dem richtigen Blickwinkel, könnte man sie unter Umständen als pyramidal bezeichnen. Mittlerweile werden auch Arbeiten an den Bergen durchgeführt, um die Pyramidenform hervorzuheben. Für all die Deppen, die sie nicht von alleine erkennen. Der Devotionalienverkauf lief auf jeden Fall.

 

Beim Versuch das Dorf am Fuß des Berges zu durchqueren, stellte ich auf jeden Fall fest, dass mein geschätztes Navi wieder einmal Treppen als Straßen verzeichnet hatte. Nach einigem erfolglosen Suchen nach einem alternativen Weg, nahm ich dann, nicht ohne eine gewisse Freude, die Treppen.

 

Mein nächstes Ziel war auf jeden Fall wesentlich weniger erheiternd. Geschichtlich dafür aber umso bedeutender. Mein Weg führte mich durch eine endlos scheinende Schlucht und ließ keine Zeit für abschweifende oder vorbereitende Gedanken.

Der Autor am Beginn der Reise in Tschechien.

Çesky Krumlov.

Morgenstimmung am Puttersee.

Der Weg zur Straninger Alm.

Eine alte Festung an der italienisch-slowenischen Grenze.

Kaffeepause unterwegs.

Der Souvenirshop inTravnik.

Blick von der Burg in Travnik.

Regen zieht durch eine Schlucht in Bosnien.

Eine der bosnischen "Pyramiden".

Mein Gefährt versteckt sich im Gras.

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