Mittelmeer Teil 3

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4

 

Olympische Hornissen,

oder wie ich zum Regengott wurde

Teil 3

 

Am nächsten Morgen startete ich bei Sonnenaufgang um der größten Mittagshitze zuvor zu kommen. Als ich meine erste Furt erreichte war der Vortag fast vergessen. Ich genoss die Landschaft, die morgendliche Kühle, das Fahren durch Bachbetten und über Schotterpisten. Ich traf einen der Hirten vom Vortag und wir grüßten uns.

 

Irgendwann traf ich auf eine Straße, die ich drei Jahre zuvor mit meinem Vater gefahren war. Sie war asphaltiert und ich war traurig darüber. Am Vortag noch wäre ich überglücklich gewesen über ein wenig ebenere Straßen.

 

Das UNESCO Weltkulturerbe Gjirokastra stand auf meinem Plan. Eine pittoreske Altstadt die auf einem Berg thront und von sozialistischen Plattenbauten umgeben ist. Ich frühstückte, erweiterte meine Sammlung geschmackloser Kühlschrankmagneten und fand auch noch einen Aschenbecher in Form eines Bunkers. Außerdem bemerkte ich, dass sich einer meiner Kofferträger gelöst hatte. Das war zum Glück schnell behoben und so machte ich mich, mittlerweile wieder in brütender Mittagshitze, auf den Weg zur griechischen Grenze. Autos und Reisebusse mussten all ihr Gepäck ausräumen und wurden durchsucht. Und das zweimal, erst von den albanischen und dann noch einmal von den griechischen Zöllnern. Ich lächelte und wurde schon wieder verschont, denn man winkte mich einfach durch. Unter den missmutigen Blicken der Wartenden fuhr ich weiter. Verließ die Hauptstraße bei der ersten sich bietenden Gelegenheit und machte mich quer durch die Berge auf Richtung Meer.

Die engen Gassen von Gjirokastra.

Von nun an ging es entlang der Küste in Richtung der Peleponnes. Die Landschaft machte einen zeitlosen Eindruck auf mich. Dieser Eindruck wurde auf Peleponnes noch verstärkt. In Patras beschloss ich meinen gebrochenen Bremshebel zu erneuern. Mir fiel auf, dass ich der einzige Motorradfahrer war, der trotz Hitze in voller Schutzkleidung fuhr. Hin und wieder sah ich einen Helmträger, aber das war auch schon alles. Der erste Zweiradfahrer, den ich nach einem Geschäft fragte leitete mich auch gleich dorthin. Der Besitzer gab mir kühles Wasser und eine gefrorene Banane für die Wartezeit, in der er aus zwei Bremshebeln einen für meine Maschine passenden zusammensetzte. Ab da war ich im Besitz eines klappbaren Hebels. Da ich noch einen Reservekupplungshebel mitführte, beließ ich es bei dem Bremshebel.

Früh morgens in Albanien.

Eine alte deutsche Zapfsäule, verlassen am Straßenrand.

Mediterranes Flair läd zum Verweilen ein.

In Griechenland springe ich das erste Mal ins Meer.

Fischzuchtanlangen vor der Westküste Griechenlands.

Selbstportrait.

Ein verlassener Bahnhof auf der Peloponnes.

Die Laufbahn in Olympia.

Säulentrommel in Olympia.

Das Leonidaion im Morgenlicht.

Eine olympische Hornisse..

Im deutschen Grabungshaus in Olympia.

Schwitzend begab ich mich zurück in den Stadtverkehr von Patras. Etwas verloren im Stau wurde ich von einem Motorradfahrer gefragt wo ich hin wollte. Ich gab mein Ziel an und er erwiderte: „Folge mir. Ich bringe dich auf dem schnellsten Weg aus der Stadt raus.“ Und das tat er dann auch. Kreuz und quer durch Seitenstraßen und zwischen Pollern hindurch hatte ich Mühe ihm zu folgen. Immerhin war ich doppelt so breit wie er. Aber er nahm Rücksicht, wartete und bei jedem Stopp fragte er mich über meine Reise aus. Irgendwann war es geschafft. Ich verließ mich wieder auf mein Garmin, verließ die Hauptstraße und fuhr über kleine Bergstraßen Richtung Olympia. Von einer befreundeten Archäologin war ich dorthin eingeladen worden ein paar Tage im Grabungshaus zu verbringen. Ich wollte dort ein wenig ausspannen, Pläne schmieden und wieder Kraft sammeln für den zweiten Teil meiner Reise. Aber es sollte doch alles ganz anders kommen als geplant.

 

Wir spazierten zu zweit durch das Leonidaion in Olympia und besprachen meinen ersten möglichen Einsatz in einem so jungen Monument der klassischen Antike. Claudia warnte mich vor einem Hornissennest und ich trat einen Schritt zurück. Ich war Hornissen schon öfter begegnet und sie immer als sehr friedlich erlebt, wenn man sie nicht reizt, indem man beispielsweise nach ihnen schlägt. Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder den Mauerresten als mich ein Schmerz vom Finger aus durchzuckte. Eine Hornisse hatte mich gestochen. Ich ärgerte mich und dachte zunächst, dass ich meine Handschuhe nur schwer über die bald anschwellende Hand würde ziehen können. Wir unterhielten uns noch etwas weiter und dann überließ ich sie ihrer Arbeit um noch ein wenig umher zu spazieren. Irgendwann fing mein Kopf an zu jucken, dann die Achseln. Ich bemerkte rote Pusteln an Armen und Bauch, nahm einen Schlauch und ließ mir Wasser über den Kopf laufen. So langsam dämmerte es mir. Um meine Vermutung zu verifizieren rief ich meine medizinisch versiertere Freundin an und fragte nach den Symptomen eines Allergischen Schocks. Da sich alle beschriebenen Symptome bei mir zeigten, befahl sie mir mich auf dem schnellsten Weg in ein Krankenhaus zu begeben. Ich teilte Claudia mit, dass es mir sehr Leid tue, sie aber ihre grade erst begonnene Arbeit unterbrechen müsse um mich in ein Hospital zu verfrachten.

Während eine der Wächterinnen ein Taxi rief packte Claudia ihre Sachen und ich wartete im Schatten. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt. Die Umgebung drang nur noch gedämpft zu mir durch. Jemand zog mich hoch und setzte mich in ein Taxi. Auf der Rückbank räumte ich meine Tasche, auf der Suche nach dem Portemonnaie, aus, jedoch erfolglos. Ich merkte wie mein Hals anschwoll und das Atmen immer mehr Anstrengung erforderte. Die beiden Ärzte in der Krankenstation von Olympia hörten mir zu was passiert war, bugsierten mich zu einer Liege, stellten noch ein paar Fragen und dann ging alles sehr schnell. Hose runter und zwei Spritzen in den Hintern. Sie drückten ihre Verwunderung über mein spätes Erscheinen aus und verdeutlichten, dass ich auf keinen Fall hätte noch später kommen dürfen. Dann versorgten sich mich noch mit Tabletten und verordneten mir eine Woche Ruhe. Zurück im Grabungshaus fiel ich erschöpft ins Bett und schlief fast 20 Stunden durch.

 

Dankenswerter Weise durfte ich im Grabungshaus bleiben. Um mich für die Gastfreundschaft zu bedanken versorgte ich das Team, welches Tagsüber in den Ruinen arbeitete, mit Mittagessen. Der Hornissenstich hatte sich unter den Wächtern herum gesprochen und so konnte ich problemlos mit dampfenden Töpfen und Geschirr bepackt in das Heiligtum hinein. Denn eigentlich ist Essen dort streng verboten.

 

Dokumentationsarbeit.

ARCHAEOBIKERS UG (haftungsbeschränkt)

 

Copyright @ All Rights Reserved