Mittelmeer Teil 4

Das Innere der Franchthi-Höhle.

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4

 

Olympische Hornissen,

oder wie ich zum Regengott wurde

Teil 4

 

Als die verordnete Schonzeit vorbei und die Medikamente abgesetzt waren, entschloss ich mich die Franchthi-Höhle im Osten der Peloponnes, im Rahmen eines Tagesausfluges, zu besuchen. Fundplätze aus vor-Antiker Zeit, wie dieser Paläo- bis Neolithische Siedlungsplatz, werden in Griechenland leider etwas stiefmütterlich behandelt. Die Höhle war nicht so einfach zugänglich, aber gut ausgeschildert und liebevoll mit vielen Infotafeln, für die leider nur wenigen Besucher, hergerichtet.

 

Die Fahrt durch die Berge war angenehm, nicht so heiß und wunderschön. Die Straße schlängelte sich entlang der Hänge. Der griechische Asphalt ist sehr rutschig und entsprechend vorsichtig war meine Fahrweise. Beim Verlassen der Berge traf mich die Hitze. Thermometer am Wegesrand zeigten 43°C. Die Höhle lag direkt am Meer und so konnte ich mir vor der Rückfahrt noch ein wenig Abkühlung verschaffen.

 

Bei der Rückfahrt schienen die Berge wie eine Wand aus Fels den Weg zu versperren. Darüber türmte sich eine zweite Wand aus Wolken auf, die bedrohlich grollte und die Berge mit Blitzen übersäte. Telefonisch erfuhr ich, dass in Olympia ein Unwetter mit Hagel herunter gekommen war. Cleverer weise hatte ich mein Regeninlet zurück gelassen, die Regenhose und meine Latex-Überschuhe befanden sich aber noch in meinen Taschen. Ich dopte mich mit Kaffee und Schokolade und fuhr in das Unwetter hinein. Es wurde etwas ungemütlich, aber die Abkühlung war mehr als willkommen.

Die Sonne bricht durch die Wolken.

Je näher ich Olympia kam, desto mehr wurde die Verwüstung, die das Unwetter hinterlassen hatte sichtbar. Schlammlawinen hatten an mehreren Stellen die Straße überflutet. Dort wo Bäume die Straße überschattet hatten, war diese komplett grün und ebenfalls extrem rutschig. Schließlich war an manchen Stellen die Fahrbahn komplett weggespült und oft lagen ganze Bäume auf der Straße. Die Feuerwehr war beschäftigt wenigstens eine Durchfahrt möglich zu machen. Mit meinem Motorrad kam ich zum Glück, im Gegensatz zu den Autos, gut hindurch. Alles war getaucht in ein pervers kitschiges Licht. Als die Sonne durch die Wolken brach und das breite Tal, an dessen Hang sich Straße schmiegte, mit Lichtkaskaden überflutete, musste ich einen Fotostopp nach dem anderen einlegen. Aus den Wäldern stieg Nebel auf und die untergehende Sonne tünchte alles in eine Orgie aus rosa und orange.

Drohende Wolken über den Bergen.

Gewitterwolken über der Peloponnes.

Überflutete Brücke auf dem Weg nach Olympia.

Das Unwetter des darauf folgenden Tages erlebte ich in Olympia. Während das Team in einer römischen Therme Unterschlupf suchte, konnte ich nicht widerstehen und ließ mich komplett durchnässen.

 

Für den nächsten Tagesausflug blieb ich in der näheren Umgebung. Ich fuhr nach Andritsaina und besuchte den Apollo-Tempel bei Vassae. Ohne Koffer und Gepäck fuhr sich meine V-Strom wie befreit. Durch malerische Landschaften und endlose Serpentinen führte mich eine Straße hinauf zum Tempel. Die weißen Säulen standen noch, überspannt von mächtigen Architraven. Über dem Bau war ein Zelt gespannt, das den Ausblick verwehrte und eine merkwürdige Atmosphäre schuf.

 

Als das fast schon obligatorische Unwetter aufzog, setzte ich mich unter das Zelt, dachte über das vergangene und noch kommende der Reise nach und wartete bis das Ärgste vorüber war. Eigentlich hatte ich geplant weiter östlich über den Balkan die Rückreise anzutreten. Nach meiner Nahtoderfahrung durch die Hornisse aber wollte ich die ganze Welt umarmen. Wenigstens aber Menschen die mir nahe standen. Ich traf eine Entscheidung. Meine Schwester war grad in der Nähe von Barcelona mit ihrer Familie, in einem alten, zum Wohnmobil umgebauten, LKW unterwegs. Ein Katzensprung quer übers Mittelmeer. Ich wollte sie sehen. Einfach nur um sie und meine Nichten in den Arm zu nehmen und ihnen zu sagen wie gern ich sie hätte. Was sind schon Pläne?

 

Am nächsten Morgen brach ich auf. Das Team in Olympia bedauerte meine Abreise, da sie nun wieder selbst für ihr Mittagessen sorgen müssten und es wieder spärlicher werden würde.

 

Fortsetzung folgt ...

Gastronomie in Langadia.

Der Apollo Tempel bei Vassae.

Erneute Gewitterwolken über dem Zelt des Apollo Tempels.

Ein Unwetter zieht durch die Berge.

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