Reisebericht Berlin-Urfa 1

Der Autor auf dem Loiblpass

Berlin - Urfa in 14 Tagen - Teil 1

 

Jeder Weg braucht ein Ziel sagen einige. Andere sagen: Der Weg ist das Ziel. Meine Tour hatte Beides. Ein Ziel, und den Weg als Ziel. Der Endpunkt meiner Reise war Urfa. Nicht zufällig gewählt, sondern vorbestimmt durch meine Arbeit als Archäologe auf der Grabung am Göbekli Tepe. Ein Heiligtum aus dem 10. Jahrtausend in Südostanatolien, nahe der syrischen Grenze. Dies war bereits meine sechste Grabung dort und ich war es leid immer nur das Flugzeug als Transportmittel zu nutzen. Man steigt ein, steigt aus, und befindet sich in einer anderen Welt und einer anderen Klimazone. Ich benötige immer ein paar Tage um mich anzupassen und umzustellen. Flugzeuge haben unsere Welt enger zusammengebracht und sie schrumpfen lassen, aber sie haben ihr auch die Langsamkeit des Reisens genommen. Das wollte ich zurückholen, wenigstens ein Stück weit, denn es gab einen Termin zu dem ich da sein sollte.

 

Bis Athen war ich in Begleitung meines Vaters unterwegs. Dort wurde seine Transalp geparkt um zwei Monate später wieder die Rückreise anzutreten.

 

Lubljana im Regen

Am 30.8. ging es für mich in Berlin los. Auf einer Suzuki DL 650 V-Strom, die sich auf der Reise mit ihrer Zuverlässigkeit und Robustheit einen Namen verdient hat. Mit meinem Vater traf ich mich in Nürnberg auf einer Autobahnraststätte und er war so nett den Regen mitzubringen. Der begleitete uns die nächsten Tage, weshalb wir beschlossen ihm auf Autobahnen möglichst schnell zu entkommen. Als wir Österreich fast durchquert hatte, kurz vor der slowenischen Grenze, konnte ich meinen Vater überreden doch wenigstens einen Alpenpass zu fahren und nicht das erste Gebirge komplett auf Autobahnen zu untertunneln. Der Regen hatte aufgehört, und so nahmen wir den Loiblpass in Angriff. Für den Einstieg ins Serpentinenfahren schon recht anspruchsvoll. Aber wir haben es relativ gut gemeistert. In Slowenien angekommen und auf dem Weg bergab regnete es nicht mehr, es schüttete. Unser Tagesziel war Lubljana. Wir erreichten es und fanden ein Hotel mit herzlichem sozialistischem Charme. Lubljana zeigt sich Gästen nicht von seiner schönsten Seite. Zuerst muss man durch die Plattenbau-Vororte, aber sobald man in die Innenstadt gelangt ist es wunderschön und bedingungslos zu empfehlen. Vor ein paar Jahren besuchte ich diese Stadt schon einmal und es gab seitdem einige Veränderungen. Damals gab es noch so gut wie keine Touristen und die Stadt war relativ verfallen. Jetzt bietet sich ein komplett anderes Bild. Fast alles wurde liebevoll restauriert und erstrahlt neu in altem Glanz. Allerdings sind die Preise gestiegen und die ganze Innenstadt ist von Touristen bevölkert. Zum Glück wurden die meisten vom Regen fern gehalten. Selbiger trieb aber auch uns in eines der zahlreichen Touristenlokale. Schließlich gehörten wir ja irgendwie dazu. Dennoch ist diese Land eine Reise wert, und ich kann nicht genug dafür werben.

 

Die Küste in Kroatien

Die beiden Reisenden bei einer Rast.

Abfahrt aus der Hauptstadt Sloweniens im Regen, aber schon nach kurzer Zeit brach die Sonne durch. Optimistisch entledigten wir uns unser Regenkleidung und konnten sie für den Rest der Reise eingepackt lassen. Sanfte Berge mit dichten Wäldern in denen man die sie bewohnenden Bären erahnen kann. Eine Militärkolonne kam uns entgegen. Sie erinnerte eher an eine Re-enactment Gruppe als an modernes Militär. Slowenien scheint sinnvollere Verwendung für sein Geld zu haben als Militär. Einige Tage später sollten wir erfahren, dass es eines der 10 friedlichsten Länder der Welt ist, und das friedlichste des Balkans (Neuseeland belegt Platz 1). Vielleicht ist es mir deshalb so sympathisch.

 

Das nächste Land war Kroatien. Einfahrt auf einer kurzen Autobahn die sich direkt zum Meer hin schlängelt. Ein Autobahnkreuz auf einer gewagt wirkenden Stützenkonstruktion, das frei über der Küste zu balancieren schien, ließ uns einschweben auf die Küstenstraße. Das Meer erinnerte mich eher an einen Bergsee mit seinen schroffen Steilhängen und Gipfeln.

 

Von nun an folgten über 600 km Küstenstraße die sich an den Bergen entlang schlängelt und hohe Ansprüche an die Erbauer gestellt haben muss. Sie zu befahren ist ein einmaliges Erlebnis, bei dem man das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommt. Viele Gedenksteine erinnern an die Opfer der Straße und einige Verkehrsteilnehmer schienen sich unbedingt auch dort verewigen zu wollen. Wir ließen sie bereitwillig passieren.

 

Die Landschaft wurde allmählich karger. Bei einem kurzen Abstecher durch das Landesinnere erinnerten wir uns an Winnetou. Wurden die Filme nicht genau dort gedreht? Einen Makel gab es dennoch, der einem bewusst machte wo wir uns befanden. In vielen Dörfern abseits der stark befahrenen Straßen feierten überdimensionierte Plakate einen General als Held der in Den Haag als Kriegsverbrecher sitzt. Zum Kontrast gab es eine bemerkenswerte Begegnung. Ein Mann mit Fahne kam des Weges gelaufen. Er pausierte im gleichen Café wie wir und so kamen wir ins Gespräch. Ein staatenloser Weltbürger, der für den Frieden um die Welt geht. Aktuell von Jerusalem nach Santiago de Compostella in Spanien. Für den Frieden der Welt und wohl auch für seinen eigenen. Kurz vor meinem eigenen Ziel konnte ich ihn sehr gut verstehen. Ich wollte auch nicht ankommen. Immer weiterfahren. Immer nach Osten, bis ich irgendwann wieder in Berlin wäre. Verlockend. Er hat diesen Traum verwirklicht, auf seine Weise. Beneidenswert.

 

Eine kurze Unterbrechung von Kroatien führte uns ca. 5 km durch Bosnien Herzegowina und dann wieder nach Kroatien. Dubrovnik kam in Sicht, von außen eine hässliche Stadt, im Inneren nach Höhrensagen wunderschön, aber wir hielten es wie mit den meisten großen Städten die kamen und noch kommen sollten; wir umfuhren es.

 

 

Fortsetzung

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