Reisebericht Berlin-Urfa 2

Teil 1

 

Berlin - Urfa in 14 Tagen - Teil 2

 

Das nächste Land das wir auf unserer Route durchquerten war Montenegro. Die wenigen Menschen die wir trafen waren ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Leider hatten wir auf der Küstenstraße schon viel Zeit verloren und konnten dem Land nicht die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen die es verdient hätte. Mittlerweile gut eingefahren konnten wir die sich bietenden Ausblicke vollends genießen, wunderschön bergig und satt grün. Irgendwann wurden die Informationen meiner Karte spärlich und das Navi zeigte auch nur noch eine einfarbige Fläche an. Wir fragten uns nach Albanien durch und fuhren eine angeblich schnellere, einspurige und teilweise durch den Fels gehauene Straße, die auf meinen Karten nicht verzeichnet war. Eine surreale Erfahrung. Die Straße war vielleicht nicht kürzer als die Hauptstraße, die wir verloren hatten, aber auf jeden Fall schöner und der Grenzübergang verschlafener. Als wir keine Wartezeit bei der Einreise erdulden mussten erschloss sich uns warum dieser Weg „much faster“ sei.

 

Ene schlagartige Veränderung

 

Kurz nach der albanischen Grenze überkam mich das Gefühl, dass dieses Land eine einzige Müllkippe sei. Autobahnähnlich ausgebaute Straßen mit einer Tankstelle neben der anderen. Eine Prozessionsstraße gesäumt von großen Kathedralen des Öls und überall Müll. Die Gedenksträuße, die alle 100 Meter die Straße säumten, beschreiben am Besten die Fahrweise der Menschen. Einem deutsch-Albaner, den wir an einer dieser Raststätten trafen, sagte ich höflicherweise das Land sei schön. Seine Antwortet: „Aber die Menschen sind Scheiße, alle korrupt und Tankstellen sind die einzige Möglichkeit legal Geld zu verdienen.“

 

Irgendwann endeten die großen im Bau befindlichen Straßen. Der einzige in Karte und Navi eingetragene Weg wurde schmaler, die Tankstellen verschwanden, die Siedlungen wurden spärlicher und die Landschaft tatsächlich wunderschön. Bei Sonnenuntergang erreichten wir eine kleine, modern anmutende Tankstelle mit Motel. Wir hielten und bekamen ein preisgünstiges Zimmer.

 

Am nächsten Tag standen neben unseren Maschinen zwei Rennmaschinen aus der Slowakei, ebenfalls auf der Durchreise. Später am Tag fragten wir uns ernsthaft wie sie diese Straßen geschafft hatten. Denn von Straßen konnte nur noch sehr selten die Rede sein, auch Schotterpiste ist noch zu hoch gegriffen. Es waren Straßen für die unsere Motorräder gebaut wurden, aber nicht für Rennmaschinen geeignet. Dennoch holten wir sie nicht ein und fragen uns bis heute wo sie gelandet sind. Anfangs noch etwas unsicher gewöhnten wir uns schnell an die Verhältnisse und genossen es. Dann eine Überraschung. Als wir schon relativ erschöpft waren trafen wir auf eine Autobah irgendwo in den Bergen. Breit, guter Asphalt, vier Spuren. Ich freute mich schon, aber leider war sie nur ca. 500 m lang. Dann folgte wieder Schotterpiste. Fragen taten sich auf: Vielleicht ein Propagandaprojekt fürs Fernsehen? Eine andere Erklärung hatten wir nicht. Auch sahen wir eigentlich niemanden an den vielen Baustellen arbeiten, obwohl es kein Wochenende war. Irgendwo standen Baumaschinen herum und einmal sahen wir tatsächlich drei Menschen mit einer Schippe die am Straßenrand standen. Sie standen zu dritt ein wenig verloren vor einem riesigen Berg Schotter, mit einer Schippe für drei Leute.

Montenegro

Sonnenuntergang in Albanien

Albanische Tankstelle in Berglandschaft.

Die albanische Bergwelt.

Irgendwann hatten wir dann die Straßen Albaniens überstanden. In einer meiner folgenden Touren sollte ich noch einmal nach Albanien zurückkehren und dabei auch die Schönheit dieses Landes entdecken. Auch wenn es für mich ein ambivalentes Land bleiben wird. Die Ausreise dauerte erheblich länger als die Einreise. Aber nicht die albanischen Zöllner sorgten für Wartezeit, sondern die Griechischen. Wäre jemand im Niemandsland auf die Idee gekommen Eis und kalte Getränke für die in brütender Hitze ohne Schatten Wartenden anzubieten, er wäre reich geworden. Für Griechenland blieb uns leider nicht mehr viel Zeit. Mein Vater musste seinen Flug erreichen, und so fuhren wir an unzähligen Sehenswürdigkeiten vorbei und fühlten uns wie ignorante Frevler. Die letzte gemeinsame Übernachtung war am Golf von Korinth, mit einem malerischen Blick von der Terrasse aufs Meer.

 

Die Transalp meines Vaters wurde sicher in Athen im AirPark abgestellt und wartete dort auf seine Rückkehr und die gemeinsame Rückreise im November.

 

Auf dem Weg zum Hafen verfuhr ich mich leider, fand aber einen hilfsbereiten Rollerfahrer der vor mir her fuhr bis ich auf dem richtigen Weg war. Ich musste mich erst an die neue Einsamkeit gewöhnen. Nicht nur im Rückspiegel war es einsam, auch der Helmfunk war verstummt. Mein Vater hatte zwar durch sorgsame Behandlung der Technik für einen Kabelbruch in der Verkabelung seines Funkgerätes gesorgt, aber jetzt konnte nicht einmal ich ihn nerven. Der Verkehr in Athen war die Hölle und so ließ ich die Idee doch kurz wenigstens an der Akropolis vorbeizufahren wieder fallen. Ist eh rezent, dachte ich mir. (Einige der schöngeistigen klassischen Archäologie Zugetanen mögen mir dies verzeihen, aber dies war mein Gedanke zu dem Zeitpunkt.) Umgeben von Verrückten in Autos und noch Verrückteren auf Motorrädern, die alles dafür taten zu einem der bereits öfter gesehenen Gedenksteine zu werden, wollte ich Athen möglichst schnell hinter mir lassen.

 

Ich erreichte den Hafen Piräus gegen Mittag und war glücklich, bis ich erfuhr, dass meine Fähre erst um 21h ablegen würde. Erneut die Überlegung von zuvor - Akropolis besichtigen - mit ähnlichem Ergebnis. Das war der Beginn des langen Wartens. Freundliche Menschen aus Bangladesch versuchten verzweifelt mir Ladekabel, Taschenlampen, Ferngläser, Uhren, Handys und was weiß ich noch alles zu verkaufen. Mit einem kam ich näher ins Gespräch, nachdem er es aufgegeben hatte etwas aus seinem Sortiment an mich loszuwerden und sich einfach zu mir in den Schatten setzte um Pause zu machen. Später, während ich döste sprach mich jemand auf Deutsch an. Wie sich herausstellte ein dort gestrandeter Deutscher. Seit mehreren Jahren „arbeitete“ er im Hafen. Dem Aussehen nach schien er mir nicht wirklich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, also fragte ich nach der Art der Arbeit. „Schiffe beobachten. Ich muss noch drei Jahre Schiffe beobachten, dann kann ich wieder nach Hause.“ Er schien aber gar nicht nach Hause zu wollen. Er freute er sich einfach ein wenig deutsch sprechen zu können und ich hatte Zeit und hörte mir geduldig Andys Lebensgeschichte an. Ich glaube sie entsprach der Wahrheit, auch wenn sie sehr abstrus war. Für ihn war es wichtig dort Schiffe zu beobachten. Als ehemaliger LKW Fahrer wollte er vermutlich auch nie irgendwo ankommen, aber seine Kinder und Enkel vermisste er doch sehr.

 

Irgendwann durfte ich auf die Fähre. Bei Einbruch der Dunkelheit legte sie ab und benötigte 8 Stunden bis sie am nächsten Morgen in Chios anlegte. Als es auch den sich quer übers Deck schreiend unterhaltenden Griechen zu kalt wurde, legte ich mich hin und schlief unter freiem Himmel in meinen Geburtstag hinein.

 

Von Chios aus kann man die Küste der Türkei sehen. Dort im Morgengrauen angekommen frühstückte ich erst einmal im einzigen offenen Café des Hafens. Es war ca. 4 h und um 8 h sollte die nächste Fähre ablegen, die mich in die Türkei bringen würde. Es gab drei sehr kleine Fähren von Chios nach Cesme. Auf der großen Fähre, mit der ich von Piräus nach Chios übergesetzt hatte, traf ich schon im Parkdeck einen türkischen Goldwing Club. Diese verbrauchten mit ihren "Autos" auf zwei Rädern und Weihnachtsbaumbeleuchtung auf der kleinen Fähre so viel Platz, dass ich nicht mehr hinzu passte. Da ich aber schon durch den Zoll war durfte ich diesen auch nicht mehr verlassen und die nächste Fähre ging um 12 h. Also wieder warten.

 

Ich lernte einen litauischen Austauschzöllner kennen, der sich freute nicht zu Hause bei neun Grad im Regen an der Grenze zu stehen und ein wenig Schadenfreude zeigte, da an seiner statt nun ein griechischer, sonnenverwöhnter Zöllner dort postiert war. Seine ortsansässigen Kollegen waren so nett und versorgten mich während der Wartezeit mit Kaffee.

 

Nach vier Stunden kam dann endlich eine Fähre. Leider, wie sich herausstelle, die Falsche. Die Richtige kam erst weitere vier Stunden später. Ich hatte ein Ticket für die griechische, aber es war die türkische Fähre. Da diese aber extrem unterbelegt war und der Kapitän Mitleid mit mir hatte als ich ihm in gebrochenem türkisch meine Situation schilderte, war er so nett und nahm mich kurzerhand ohne Ticket mit.

 

 

Fortsetzung.

Straßenführung in Albanien.

Der Golf von Korinth bei Nacht.

Warten im Hafen von Athen.

Die Fähre nach Chios.

Sonnenaufgang in Chios.

Warten im Hafen von Chios.

ARCHAEOBIKERS UG (haftungsbeschränkt)

 

Copyright @ All Rights Reserved